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Merle in Bewegung!

Aktualisiert: 12. Mai 2018

Raufspiele in Tübingen


Angefangen hat es in Wien. Ich war mal wieder dort um ein weiteres Seminar für meine Coach-Ausbildung zu besuchen, da erzählten mir gleich zwei der dortigen Co-Trainer von der "Schwelle". Ich solle unbedingt zum playfight, das könnte zu mir passen. Es gehe da um einen Raum, in dem Menschen sich offen begegnen, miteinander raufen und miteinander spielen - genau, nicht nur Kinderspiele.

Raufen und körperliche Nähe, das hat mich angezogen. Die Schwelle (https://schwelle.at/) bietet schon visuell mit Backsteinwänden und weichen Matratzen auf dem Boden genau die besondere Atmosphäre, deren Vielfalt man auch in den diversen Workshops erleben kann. Ecstatic Dance, Fesseln, Kontaktimprovisation, Ving Tsun, Polyamorie-Treffen, Schmerz und Lust, ... Die Palette ist lang. Playfight ist ein Workshop, in dem diese Vielfalt in menschlicher Begegnung zu Tage treten kann und manchmal auch ganz bewusst ausgelebt wird. Reinhard Gaida (https://schwelle.at/reinhard-gaida/) schreibt selbst über seine Idee "den Menschen einen Ort für experimentelle Erfahrungen zur Verfügung zu stellen, indem unter Wahrung eines respektvollen und toleranten Umgangs miteinander, die eigenen Bedürfnisse erforscht werden." Dieser weit angelegte Rahmen wird in meinem Erleben insbesondere durch das offene Ausleben von Lust und Aggressivität angefüllt - spannend und entspannend. Freiheit wird lebbar gemacht vielleicht gerade dadurch dass ich mich nicht mehr kontrolliere sondern frei meinen Impulsen folge - nicht mehr und nicht weniger als das was bei einem Orgasmus ebenfalls passiert.

Und ja, es gibt Regeln. Die Freiheit wäre nicht möglich ohne dass jeder Teilnehmer vor Beginn des Workshops akzeptiert, zu jedem Zeitpunkt "nein" sagen zu können und gleichermaßen aufgefordert ist, für sich selbst zu sorgen.


In Tübingen habe ich ein gutes halbes Jahr gebraucht, bis ich mich getraut habe, einen ähnlichen Workshop einfach auch anzubieten. An einen der riesen Mail-Verteiler hier zu schreiben, und Menschen über Polyamorie- und Kontaktimprovisations-Veranstaltungen anzusprechen. Danach war der öffentliche Post auf facebook tatsächlich nur noch ein kleiner Schritt im Vergleich. Ich weiß noch, wie aufgeregt ich letztes Jahr im November war kurz bevor etwas über zehn Menschen sich mit mir das erste Mal zu den Raufspielen in den Kreis gesetzt haben. Und wie absolut geil es war, genau das kund zu tun und her zu zeigen, was ich selbst liebe und wohinein ich mich jedes Mal aufs neue mit leuchtenden Augen vor Begeisterung stürze - und besser noch: Es sind Menschen da, die jeder für sich in dem, was ich da anbiete, ein ebenso geiles Gefühl finden. Die durch ihr Dasein das Ganze erst möglich machen. Die die Raufspiele zu mehr machen als ich für möglich gehalten hätte. Und diese Entwicklung hat bisher nicht aufgehört sondern vollzieht sich zu jedem Raufspiele-Termin neu und andersartig.


Hm. Tatsächlich stürze ich mich gern in neue Abenteuer. Vorrangig in solche, die irgendwie mit Kontakt (zu mir selbst oder zu anderen) und mit Bewegung und - natürlich - mit einer Herausforderung zu tun haben, die ich meistern kann.

Als Kind war meist ich diejenige, die an der Tür geklingelt hat um nach dem Ball zu fragen, der uns versehentlich über den Zaun geflogen war. Keine Angst vor Kontakt? Hm. Eher eine Portion Mut - und dann die Verwegenheit, auf die Klingel zu drücken. Selbstüberlistung, wenn die Kontrollinstanz gerade nicht aufpasst und der Finger schneller vorne ist. Tja, und dann ist es eh schon geschehen - dann kann man ebenso gut auch warten bis der Mensch seine Tür öffnet und einen ansieht.

Was sind Raufspiele anderes? Mensch begegnet Mensch. Mensch drückt Wunsch aus: Setzt sich vor einen anderen Menschen, drückt auf die Klingel und wartet. Und vielleicht bekommt der andere Mensch Lust, aus seiner Tür heraus zu gehen und mitzuspielen.

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